Interview mit Andreas Grau und Götz Schumacher
Als das „führenden Klavierduo" bezeichnete sie ein Kritiker jüngst anlässlich ihrer fulminanten CD-Einspielung von Strawinskys Sacre du Printemps und Debussys En blanc et noir und Six épigraphes antiques. Und in der Tat tanzen Andreas Grau und Götz Schumacher auf vielen Hochzeiten. Neben Rezital- und Orchesterauftritten macht das Duo über 25 Jahre nach seiner Gründung durch Projekte jenseits ausgetretener Pfade auf sich aufmerksam. Während einer Probenphase für die Aufnahme von Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie sprachen wir mit dem Duo über Programmgestaltung und Repertoireentwicklung.
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Schon immer wart ihr als Duo auf ausgeklügelte Programmkonzepte bedacht, aber wenn man sich Eure momentanen, extrem vielfältigen Aktivitäten anguckt, ist auffällig, wie sehr ihr das Repertoire und die „normalen" Aktivitäten eines Klavierduos erweitert. Es gibt Auftragswerke, Zusammenarbeiten unter anderem mit dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer in Shakespeares Sommernachtstraum, mit dem Videokünstler Stephan Boehme de Marco arbeitet ihr in dem Programm Kosmos an einer Verzahnung von Musik und visuellen Projektionen - wird Euch nach über 25 Jahren das normale Pianoduo-Repertoire langweilig?
GS: Nein, das Standardrepertoire IST beim Klavierduo so vielfältig, dass es gar nicht langweilig werden kann. Man denkt immer, das Klavierduo oder das Vierhändigspielen kommt im Ursprung von der vierhändigen biedermeierschen Hausmusik, und da kommt ja auch vieles her. Aber es gibt eben sowohl große kammermusikalische Werke, es gibt große Werke mit Chor und Klavier zu vier Händen oder zwei Klaviere, und es gibt natürlich diesen ganz großen Part der Orchesterkonzerte. Klavierduo ist so vielfältig wie eigentlich keine Kammermusikbesetzung. Ein Streichquartett hat nicht diese Möglichkeiten, ein Streichquartett hat sein Repertoire. Wir dagegen haben unser Repertoire, wenn man von Schubert als Kernrepertoire ausgeht, und zusätzlich diese vielen andern Stücke, die wirklich zur Gattung dazugehören. Die Bartók Sonate für zwei Klaviere und zwei Schlagzeuger, die wir jetzt am Wochenende geprobt haben, ist zum Beispiel trotz der ungewöhnlichen Besetzung ein ganz zentrales Werk der Klavierduoliteratur. Genauso Liebeslieder-Walzer für vierstimmigen Chor und Klavier zu vier Händen.
Wie unterscheidet sich der programmatische Ansatz eurer Rezitale von dem der CD-Produktionen?
AG: Die Dramaturgie, die ein Konzert erfordert, ist natürlich ein bisschen anders, eine CD wird vielleicht etwas monothematischer gemacht. Bei Debussy und Strawinsky würden wir das wohl so in einem Rezital auch gar nicht spielen, aber da war einfach der Wunsch, die Verwandtschaft dieser beiden Komponisten und auch ihre Begegnung damals in Paris zu dokumentieren. Als wir erfahren haben, dass Debussy und Strawinsky zusammen dessen vierhändige Fassung des Sacre das erste Mal gespielt haben, dass Debussy diese revolutionäre Musik praktisch neben Strawinsky am Klavier sitzend kennenlernen durfte, da war klar, dass wir das auf CD kombinieren wollten.
Ihr spielt ja nicht nur zu zweit, sondern sehr häufig auch als Solisten mit Orchester. Welchen Einfluss habt ihr in diesem Fall auf die Programmgestaltung?
AG: Eher weniger, allerdings ist es uns gerade im Zusammenhang mit Bernd Alois Zimmermann gelungen. Wir hatten den Vorschlag gemacht, wenn man die Dialoge von Bernd Alois Zimmermann spielt, dann genau die zitierten Werke im Konzert mit dazu zu nehmen Das sind der Pfingsthymnus, dann Jeux von Debussy, eventuell noch Mozarts Klavierkonzert Nummer 467 und als Abschluss eben Zimmermanns Dialoge. Natürlich, wenn es diese Zitate nicht gäbe, würde das niemand so programmieren, aber auf diese Vorschläge sind Dirigenten tatsächlich schon zweimal eingegangen, und auch da ist es dann eine ganz besondere Dramaturgie, die entsteht.
GS: Wir haben natürlich auch in dem Fall nicht den Gesamtablauf eines Symphoniekonzertes in der Hand, aber über die Stücke, die wir mit einbringen, haben wir große Möglichkeiten, so einen Abend zu steuern. Wir könnten ja auch sagen, wir gehen dieses Jahr mit dem Mozart-Konzert und dem Poulenc-Konzert durch die Welt, und das reicht uns. Aber wir wollen beispielsweise sowohl von Johannes Maria Staud ein Werk spielen, das sonst einfach nicht in Programmen auftauchen würde, dann Eötvös, ein Stück von Glanert oder eben das Bartók-Konzert. Das sind Sachen, die so einen Symphoniekonzert-Abend prägen und die von uns ausgehen, weil die meisten Dirigenten ansonsten nicht unbedingt darauf kämen. Auch das Berio-Konzert ist ja nach wie vor bei vielen Dirigenten unbekannt.
AG: Es gibt noch eine andere Idee, die wir in dieser Form in nächster Zeit verwirklichen werden, bei der wir dann ein symphonisches Programm bestimmen. Wenn wir das Bartók-Konzert spielen, würden wir das gern zusammen mit dem Mozart-Konzert für zwei Klaviere aufführen, denn dazu hat Bartók Kadenzen geschrieben.
GS: Das wird jetzt schon ein CD-Projekt, um Pfingsten herum werden wir das in dieser Kombination mit dem DSO aufnehmen.
Eins eurer aktuellen Projekte ist die Uraufführung des Liszt-Konzertes in der von Stefan Heucke erstellten Fassung für 2 Klaviere und Orchester - ein Auftrag der Stuttgarter Philharmoniker, der auf eine Idee von euch zurückgeht. Warum dieses Stück?
AG: Es ist so, dass im Grunde genommen dieses Repertoire bei uns fehlt. Dieses große romantische Klavierkonzert für zwei Klaviere und Orchester, ein Doppelkonzert von Schumann oder Liszt oder Chopin oder Tschaikowsky, das gab es bislang noch nicht. Die Idee ist zusammen mit dem Komponisten Stefan Heucke entstanden, und sie hat eine gewisse Legitimität dadurch, dass dieses Werk in sehr vielen verschiedenen Fassungen aus der Hand von Franz Liszt und aus der Hand seiner Schüler existiert. Es gibt zwei oder drei Solo-Fassungen, es gibt einige Fassungen für Soloklavier und Orchester, es gibt die Fassung für zwei Klaviere, die wir auch in unseren Rezitalen spielen - eigentlich fehlte bisher nur noch diese Fassung für zwei Klaviere und Orchester, und ich finde, dass die Bearbeitung sehr gelungen ist. Sie ist sehr eng an Liszts Fassung für zwei Klaviere angelehnt, aber die Instrumentierung geht weit über Liszt hinaus. Gegen Ende des Konzertes gibt es eine große Kadenz für zwei Klaviere, und die ist ganz im Stile von Stefan Heucke komponiert.
Als das „führenden Klavierduo" bezeichnete sie ein Kritiker jüngst anlässlich ihrer fulminanten CD-Einspielung von Strawinskys Sacre du Printemps und Debussys En blanc et noir und Six épigraphes antiques. Und in der Tat tanzen Andreas Grau und Götz Schumacher auf vielen Hochzeiten. Neben Rezital- und Orchesterauftritten macht das Duo über 25 Jahre nach seiner Gründung durch Projekte jenseits ausgetretener Pfade auf sich aufmerksam. Während einer Probenphase für die Aufnahme von Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie sprachen wir mit dem Duo über Programmgestaltung und Repertoireentwicklung.
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Schon immer wart ihr als Duo auf ausgeklügelte Programmkonzepte bedacht, aber wenn man sich Eure momentanen, extrem vielfältigen Aktivitäten anguckt, ist auffällig, wie sehr ihr das Repertoire und die „normalen" Aktivitäten eines Klavierduos erweitert. Es gibt Auftragswerke, Zusammenarbeiten unter anderem mit dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer in Shakespeares Sommernachtstraum, mit dem Videokünstler Stephan Boehme de Marco arbeitet ihr in dem Programm Kosmos an einer Verzahnung von Musik und visuellen Projektionen - wird Euch nach über 25 Jahren das normale Pianoduo-Repertoire langweilig?
GS: Nein, das Standardrepertoire IST beim Klavierduo so vielfältig, dass es gar nicht langweilig werden kann. Man denkt immer, das Klavierduo oder das Vierhändigspielen kommt im Ursprung von der vierhändigen biedermeierschen Hausmusik, und da kommt ja auch vieles her. Aber es gibt eben sowohl große kammermusikalische Werke, es gibt große Werke mit Chor und Klavier zu vier Händen oder zwei Klaviere, und es gibt natürlich diesen ganz großen Part der Orchesterkonzerte. Klavierduo ist so vielfältig wie eigentlich keine Kammermusikbesetzung. Ein Streichquartett hat nicht diese Möglichkeiten, ein Streichquartett hat sein Repertoire. Wir dagegen haben unser Repertoire, wenn man von Schubert als Kernrepertoire ausgeht, und zusätzlich diese vielen andern Stücke, die wirklich zur Gattung dazugehören. Die Bartók Sonate für zwei Klaviere und zwei Schlagzeuger, die wir jetzt am Wochenende geprobt haben, ist zum Beispiel trotz der ungewöhnlichen Besetzung ein ganz zentrales Werk der Klavierduoliteratur. Genauso Liebeslieder-Walzer für vierstimmigen Chor und Klavier zu vier Händen.
Wie unterscheidet sich der programmatische Ansatz eurer Rezitale von dem der CD-Produktionen?
AG: Die Dramaturgie, die ein Konzert erfordert, ist natürlich ein bisschen anders, eine CD wird vielleicht etwas monothematischer gemacht. Bei Debussy und Strawinsky würden wir das wohl so in einem Rezital auch gar nicht spielen, aber da war einfach der Wunsch, die Verwandtschaft dieser beiden Komponisten und auch ihre Begegnung damals in Paris zu dokumentieren. Als wir erfahren haben, dass Debussy und Strawinsky zusammen dessen vierhändige Fassung des Sacre das erste Mal gespielt haben, dass Debussy diese revolutionäre Musik praktisch neben Strawinsky am Klavier sitzend kennenlernen durfte, da war klar, dass wir das auf CD kombinieren wollten.
Ihr spielt ja nicht nur zu zweit, sondern sehr häufig auch als Solisten mit Orchester. Welchen Einfluss habt ihr in diesem Fall auf die Programmgestaltung?
AG: Eher weniger, allerdings ist es uns gerade im Zusammenhang mit Bernd Alois Zimmermann gelungen. Wir hatten den Vorschlag gemacht, wenn man die Dialoge von Bernd Alois Zimmermann spielt, dann genau die zitierten Werke im Konzert mit dazu zu nehmen Das sind der Pfingsthymnus, dann Jeux von Debussy, eventuell noch Mozarts Klavierkonzert Nummer 467 und als Abschluss eben Zimmermanns Dialoge. Natürlich, wenn es diese Zitate nicht gäbe, würde das niemand so programmieren, aber auf diese Vorschläge sind Dirigenten tatsächlich schon zweimal eingegangen, und auch da ist es dann eine ganz besondere Dramaturgie, die entsteht.
GS: Wir haben natürlich auch in dem Fall nicht den Gesamtablauf eines Symphoniekonzertes in der Hand, aber über die Stücke, die wir mit einbringen, haben wir große Möglichkeiten, so einen Abend zu steuern. Wir könnten ja auch sagen, wir gehen dieses Jahr mit dem Mozart-Konzert und dem Poulenc-Konzert durch die Welt, und das reicht uns. Aber wir wollen beispielsweise sowohl von Johannes Maria Staud ein Werk spielen, das sonst einfach nicht in Programmen auftauchen würde, dann Eötvös, ein Stück von Glanert oder eben das Bartók-Konzert. Das sind Sachen, die so einen Symphoniekonzert-Abend prägen und die von uns ausgehen, weil die meisten Dirigenten ansonsten nicht unbedingt darauf kämen. Auch das Berio-Konzert ist ja nach wie vor bei vielen Dirigenten unbekannt.
AG: Es gibt noch eine andere Idee, die wir in dieser Form in nächster Zeit verwirklichen werden, bei der wir dann ein symphonisches Programm bestimmen. Wenn wir das Bartók-Konzert spielen, würden wir das gern zusammen mit dem Mozart-Konzert für zwei Klaviere aufführen, denn dazu hat Bartók Kadenzen geschrieben.
GS: Das wird jetzt schon ein CD-Projekt, um Pfingsten herum werden wir das in dieser Kombination mit dem DSO aufnehmen.
Eins eurer aktuellen Projekte ist die Uraufführung des Liszt-Konzertes in der von Stefan Heucke erstellten Fassung für 2 Klaviere und Orchester - ein Auftrag der Stuttgarter Philharmoniker, der auf eine Idee von euch zurückgeht. Warum dieses Stück?
AG: Es ist so, dass im Grunde genommen dieses Repertoire bei uns fehlt. Dieses große romantische Klavierkonzert für zwei Klaviere und Orchester, ein Doppelkonzert von Schumann oder Liszt oder Chopin oder Tschaikowsky, das gab es bislang noch nicht. Die Idee ist zusammen mit dem Komponisten Stefan Heucke entstanden, und sie hat eine gewisse Legitimität dadurch, dass dieses Werk in sehr vielen verschiedenen Fassungen aus der Hand von Franz Liszt und aus der Hand seiner Schüler existiert. Es gibt zwei oder drei Solo-Fassungen, es gibt einige Fassungen für Soloklavier und Orchester, es gibt die Fassung für zwei Klaviere, die wir auch in unseren Rezitalen spielen - eigentlich fehlte bisher nur noch diese Fassung für zwei Klaviere und Orchester, und ich finde, dass die Bearbeitung sehr gelungen ist. Sie ist sehr eng an Liszts Fassung für zwei Klaviere angelehnt, aber die Instrumentierung geht weit über Liszt hinaus. Gegen Ende des Konzertes gibt es eine große Kadenz für zwei Klaviere, und die ist ganz im Stile von Stefan Heucke komponiert.


















