Beyond Crossover
David Krakauer, Klarinetten
Marija Stroke, Piano
Klezmer Set: Akkordeon, Bass
Programm
Beyond Crossover - Kommentar von David Krakauer
Schon seitdem ich halbwegs anständig Klarinette spielen kann, interessiert mich das Nebeneinander meiner eigenen Musik und der Interpretation klassischer Kompositionen. In diesem Sinne habe ich es nie als notwendig empfunden, Grenzen zu übertreten, wie es der Begriff Crossover suggeriert - ich war einfach schon auf der gegenüberliegenden Seite. Es faszinierte mich schon immer, die Interaktion des Einen mit dem Anderen zu erleben. Fortwährend daran zu arbeiten, den eigenen Klang zu finden (sei es durch Improvisation oder durch Komposition) hat mir dabei geholfen, meinen persönlichen Schlüssel zur Interpretation zu finden: Erstens immer danach zu streben, dem Augenblick der Entstehung näher zu sein (das Stück zu spielen, als wenn ich es selbst komponiert oder improvisiert hätte); zweitens zu versuchen eine Geschichte zu erzählen; und drittens einen Dialog zwischen meinen eigenen Ideen und dem, was ich als Idee des Komponisten erachte, zu erzeugen. Abgrund der Vögel zu spielen ist zum Beispiel wie ein großartiges philosophisches Gespräch mit einem engen Freund zu führen. Messiaen selbst beschreibt das Stück als eine Reflexion über den Kontrast zwischen Dunkelheit und Licht. Die Abgründe stehen für unendliches Leid/Dunkelheit, während die Vögel den Jubel/das Licht verkörpern. Diese emotionalen Wechsel durch die Musik zu erfahren (sowohl für den Interpreten als auch für die Zuhörer) lässt die „Konversation" entstehen. Das gilt auch für jedes andere klassische Repertoire, an das ich glaube - sei es Debussy, Brahms, Steve Reich, John Cage, Strawinski, Anthony Coleman, Joan Tower, Janácek, oder Luciano Berio. Jedes Stück enthält eine wichtige Geschichte, und es ist die Pflicht eines jeden Interpreten sie zu erzählen. Meine eigene Komposition Rothko on Broadway, die sich zu Synagogue Wail weiterentwickelt hat, hat ihren Ursprung ebenso an einem bestimmten Ort. Sie entstand auf der Hochzeit meiner Freunde Allan Evans und Beatrice Muzi in der Rothko Kapelle in Houston, Texas. Das Stück ist von den Gemälden in der Kapelle inspiriert - wie sie durch Rothkos Schichttechniken anscheinend atmen und Energie ausstrahlen. Das habe ich versucht in Klang festzuhalten. Für die Neuinkarnation des Stückes (Synagogue Wail) haben sich die Ideen von Rothko on Broadway und das Klezmerstück Doina gegenseitig bestäubt.
Erst als ich anfing mit Klezmermusik zu arbeiten, konnte ich all diese Elemente, die ich beschrieben habe, unter ein „Dach" bringen - und damit eine Art musikalische Heimat für mich schaffen. Innerhalb eines Rahmens, der sich für mich absolut natürlich anfühlt (da ich den jiddischen Akzent meiner Großmutter höre, wenn ich Klezmer spiele) kann ich alles gleichzeitig tun: ein bestimmtes Repertoire interpretieren, neue Musik schreiben (von kurzen Stücken bis hin zu längeren Kompositionen) und auf meine eigene Art improvisieren - das Konzept des „Jiddischen in der Musik" beibehalten und gleichzeitig die erweiterten Techniken mit Obertönen, Mikrotönen, Permanentatmung etc., mit denen ich jahrelang gearbeitet habe, hinzuzufügen. Darüber hinaus habe ich durch die Musik näher zu meinem eigenen Judentum gefunden, auf einer Ebene, auf der ich mich sehr wohl fühle.
Das alles war bis jetzt ein ziemliches Abenteuer! Klassische Musik mit wundervollen Kollegen spielen zu können, mit einigen der wichtigsten Komponisten dieses (und des nächsten) Jahrhunderts zusammen zu arbeiten, neue Musik zu erschaffen, die sich für mich richtig anfühlt und eine wichtige Tradition meiner Vorfahren weiterzuführen ist ein Nervenkitzel und eine Ehre. Und etwas an die nächste Generation weiterzugeben ist mindestens genauso aufregend.
Marija Stroke, Piano
Klezmer Set: Akkordeon, Bass
Programm
| Leos Janácek | Allegro Aus dem Concertino (1925) |
| Olivier Messiaen | Abîme des oiseaux (Abgrund der Vögel) Aus dem Quartett für das Ende der Zeit |
| Steve Reich | New York Counterpoint Für Klarinette und Tonband (1985) Tonband aufgenommen von David Krakauer Tonmeister: David Merrill |
| Claude Debussy | Première Rhapsodie (1910) |
| Traditional | A Klezmer Set Doina (trad.) Der Gasn Nign (trad.) Terkish Yale V'Yove Tanz (trad.) Synagogue Wail (David Krakauer geb.1956) Der Heyser Bulgar (trad.) |
Beyond Crossover - Kommentar von David Krakauer
Schon seitdem ich halbwegs anständig Klarinette spielen kann, interessiert mich das Nebeneinander meiner eigenen Musik und der Interpretation klassischer Kompositionen. In diesem Sinne habe ich es nie als notwendig empfunden, Grenzen zu übertreten, wie es der Begriff Crossover suggeriert - ich war einfach schon auf der gegenüberliegenden Seite. Es faszinierte mich schon immer, die Interaktion des Einen mit dem Anderen zu erleben. Fortwährend daran zu arbeiten, den eigenen Klang zu finden (sei es durch Improvisation oder durch Komposition) hat mir dabei geholfen, meinen persönlichen Schlüssel zur Interpretation zu finden: Erstens immer danach zu streben, dem Augenblick der Entstehung näher zu sein (das Stück zu spielen, als wenn ich es selbst komponiert oder improvisiert hätte); zweitens zu versuchen eine Geschichte zu erzählen; und drittens einen Dialog zwischen meinen eigenen Ideen und dem, was ich als Idee des Komponisten erachte, zu erzeugen. Abgrund der Vögel zu spielen ist zum Beispiel wie ein großartiges philosophisches Gespräch mit einem engen Freund zu führen. Messiaen selbst beschreibt das Stück als eine Reflexion über den Kontrast zwischen Dunkelheit und Licht. Die Abgründe stehen für unendliches Leid/Dunkelheit, während die Vögel den Jubel/das Licht verkörpern. Diese emotionalen Wechsel durch die Musik zu erfahren (sowohl für den Interpreten als auch für die Zuhörer) lässt die „Konversation" entstehen. Das gilt auch für jedes andere klassische Repertoire, an das ich glaube - sei es Debussy, Brahms, Steve Reich, John Cage, Strawinski, Anthony Coleman, Joan Tower, Janácek, oder Luciano Berio. Jedes Stück enthält eine wichtige Geschichte, und es ist die Pflicht eines jeden Interpreten sie zu erzählen. Meine eigene Komposition Rothko on Broadway, die sich zu Synagogue Wail weiterentwickelt hat, hat ihren Ursprung ebenso an einem bestimmten Ort. Sie entstand auf der Hochzeit meiner Freunde Allan Evans und Beatrice Muzi in der Rothko Kapelle in Houston, Texas. Das Stück ist von den Gemälden in der Kapelle inspiriert - wie sie durch Rothkos Schichttechniken anscheinend atmen und Energie ausstrahlen. Das habe ich versucht in Klang festzuhalten. Für die Neuinkarnation des Stückes (Synagogue Wail) haben sich die Ideen von Rothko on Broadway und das Klezmerstück Doina gegenseitig bestäubt.
Erst als ich anfing mit Klezmermusik zu arbeiten, konnte ich all diese Elemente, die ich beschrieben habe, unter ein „Dach" bringen - und damit eine Art musikalische Heimat für mich schaffen. Innerhalb eines Rahmens, der sich für mich absolut natürlich anfühlt (da ich den jiddischen Akzent meiner Großmutter höre, wenn ich Klezmer spiele) kann ich alles gleichzeitig tun: ein bestimmtes Repertoire interpretieren, neue Musik schreiben (von kurzen Stücken bis hin zu längeren Kompositionen) und auf meine eigene Art improvisieren - das Konzept des „Jiddischen in der Musik" beibehalten und gleichzeitig die erweiterten Techniken mit Obertönen, Mikrotönen, Permanentatmung etc., mit denen ich jahrelang gearbeitet habe, hinzuzufügen. Darüber hinaus habe ich durch die Musik näher zu meinem eigenen Judentum gefunden, auf einer Ebene, auf der ich mich sehr wohl fühle.
Das alles war bis jetzt ein ziemliches Abenteuer! Klassische Musik mit wundervollen Kollegen spielen zu können, mit einigen der wichtigsten Komponisten dieses (und des nächsten) Jahrhunderts zusammen zu arbeiten, neue Musik zu erschaffen, die sich für mich richtig anfühlt und eine wichtige Tradition meiner Vorfahren weiterzuführen ist ein Nervenkitzel und eine Ehre. Und etwas an die nächste Generation weiterzugeben ist mindestens genauso aufregend.











































